Tarifreformvertrag Genossenschaftsbanken und Gehaltsrunde 2019

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Der Arbeitgeberverband Deutsche Volksbanken Raiffeisenbanken (AVR) hatte im Herbst 2018 die Sondierung mit ver.di zu einem Tarifreformvertrag mit fragwürdiger Begründung abgebrochen.

Seit Beginn 2019 verhandelt er nun mit DBV und DHV u.a. über prinzipielle Fragen der Eingruppierung, Zulagensystem und erweiterte Samstagsarbeit. Die Gehaltstarifrunde 2019 hat im Mai 2019 begonnen. Die Gehaltserhöhungen dieser Tarifrunde sollen auf die neue Eingruppierungssystematik und neue Tabelle aufsatteln, die im neuen Tarifreformvertrag vereinbart werden.

Es laufen demnach zwei Verhandlungen parallel. Mit den aus den bisherigen Veröffentlichungen des AVR bekannten Informationen läuft die neue Eingruppierungssystematik und die neue Tabelle mindestens für Neueinstellungen wohl auf eine Abgruppierung bei den unteren und mittleren Tarifgruppen hinaus.  

Wie mit Bestandsmitarbeiter*innen verfahren wird, ist unklar. Dies würde für die Banken mittel- bis langfristig eine enorme Kostenersparnis bedeuten, für die Kolleg*innen jedoch, eventuell deutlich weniger zu verdienen. Dies wäre beispielsweise der Fall, wenn das Einstiegsgehalt zwar erhöht, das Endgehalt jedoch abgesenkt und aufgrund geringerer Berufsjahresstaffelung auch schneller erreicht wird.

Für das Berufsbild Bankkaufmann/-frau könnte es – nach der Abwertung im Zuge der Finanzkrise – eine weitere Abwärtsspirale und die potentielle Abwanderung vieler Kolleg*innen aus der Finanzdienstleistungsbranche bedeuten.

Um dafür von DBV und DHV die Zustimmung zu erhalten und in den Banken möglichst wenig Unruhe zu verursachen, ist mit einer besseren Gehaltserhöhung zu rechnen.

Das erste Angebot der Arbeitgeber lautet aber: 2,5 Prozent ab dem 1. 11. 2019 und 1,5 Prozent ab dem 1. 3. 2021. Aufgrund der langen Laufzeit des Tarifvertrages (34 Monate) und der damit verbundenen langen Zeit ohne eine Gehaltserhöhung liegt dieses Angebot deutlich unter der (erwarteten) Inflationsrate p.a.. Wie in den vergangenen Jahren würde es daher einen Reallohnverlust bedeuten.

Bezeichnenderweise erfährt man zu den Verhandlungen über den Tarifreformvertrag und den Gehaltstarifvertrag öffentlich kaum etwas. Für die Arbeitgeber ist das ein idealer Zustand.

ver.di bereitet sich auf die Ein- und Umgruppierungsauseinandersetzungen vor. ver.di Mitglieder werden hierzu kostenfrei beraten werden. Für Betriebsräte wird ver.di Schulungen organisieren, damit sie ihren gesetzlichen Aufgaben nachkommen können. Diese umfassen zum Beispiel, eine tarifgerechte Ein- wie Umgruppierung zu kontrollieren und dies ggfls. auch durchzusetzen.

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